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Brief ans Christkind….

Eigentlich hätte das jetzt ein Wunschzettel ans Christkind werden sollen, wie ich allerdings sehr schmerzhaft erfahren musste, gibt´s das genauso wenig wie mutige Politiker mit Visionen, oder Touristiker, die über den Tellerrand hinausblicken. Die Scheuklappen im Außerfern sind fast schon sprichwörtlich, aber es reicht ja, wenn man glaubt, man wäre innovativ. Schließlich bauen wir ja gerade ein neues Schwimmbad und eine neue Bahn auf den Hahnenkamm, dazu kann ich nur sagen, das war höchste Zeit, vor 20 Jahren war eine Einseilumlaufbahn modern, heute ist das eine Minimalanforderung. Das neue Schwimmbad sowie die neue Bahn sind also keine Innovationen sondern ein Aufholen zum Standard.

Apropos Standard, dieser schreibt in seiner Onlineausgabe vom So. 12.12.2010 “Leere Kassen – Gemeindebudgets trocknen rapide aus“. Von zu teuren Prestigeprojekten ist da die Rede und auch von Kooperationen, die Geld sparen würden. Die Parallelen zur Gemeinde Reutte sind offensichtlich, man könnte fast meinen der Schreiber kommt aus der Gegend. Die drei Mammutprojekte, die in der Region zur Zeit im Entstehen sind, sind Gott sei Dank nicht allein von der Gemeinde Reutte zu stemmen. Als Prestigeprojekt kann man Schwimmbad und Hahnenkammbahn allerdings nicht bezeichnen. Ein Ort wie Reutte mit seiner Größe und seiner lokalen und auch touristischen Bedeutung braucht ein Schwimmbad, das steht außer Zweifel. Die Hahnenkammbahn braucht es auch, wenn der Wintertourismus nicht vollkommen zum Erliegen kommen soll. Das Prestigeprojekt der Gemeinde schlechthin ist sicherlich das Burgenensemble Ehrenberg, oder wie der Außerferner sagt, die Klause. Viel hat sich da getan in den letzten Jahren und man kann sagen mit Erfolg. Die Klause ist bekannt, die Menschen kommen, sehen sich das Museum an oder genießen die wunderbare Natur des Klausenwaldes. Alles schön und gut, aber wie ein bekennender Ehrenbergfreund meinte: “Lauter Ruinen um uns herum.” Damit meinte er nicht das wunderbare Burgenensemble oder die eher bescheidene Finanzlage, sondern schlicht und ergreifend, die Tatsache, dass es rund herum  18 Burgen, Schlösser und Ruinen gibt.

Model: Roderick O. Pischl

Das wiederum sollte den Verantwortlichen zu denken geben. Wie schafft man es, dass die Burgen-, Ritter- und Mittelalterwahnsinnigen (und die gibt es ebenso wie Sand am Meer) auf Ehrenberg kommen und nicht woanders hingehen. Einmal im Jahr ein Wochenende mit Ritterspielen rückt einen zwar ins Blickfeld, reicht aber nicht, um die vielen Millionen, die über die Jahre investiert wurden, zu rechtfertigen. Zugegeben, das ist meine ganz persönliche Meinung, genauso wie es meine Meinung ist, dass es neue Wege braucht um das Projekt Ehrenberg voranzutreiben. Damit kommen wir auch schon zu den Kooperationen, die auch der Rechungshof vorschlägt und die wie ich weiß auch in der Gemeinde Reutte ein Thema sind, zumindest seit der Ortsmarketingmensch entfernt wurde und man laut über neue Wege des Regionalmarketings nachdenkt. Eigentlich eine gute Idee, ein so großes Projekt wie die Klause, das eine solche überregionale Bedeutung hat, schreit nach einem ordentlichen Marketing und nachhaltigen Ideen, die die Investitionen rechtfertigen. Menschen die ihr Herzblut in dieses Projekt legen würden, gäbe es genug, Ideen auch, was es braucht sind die Möglichkeiten auch etwas umzusetzen. Dabei geht es nicht nur um die finanziellen Mittel, sondern auch darum, sich im Vereinsvorstand etwas vom TVB und der Gemeinde zu lösen. Die beiden Nettozahler wollen natürlich mitreden, das ist auch gut so, aber wenn Touristiker und Politiker sich über einen Kulturbetrieb unterhalten, stellt sich mir die Frage, wie viele von denen wissen wirklich ganz genau wovon sie reden.

Die Ideen wären vorhanden, ein funktionierender Betrieb, der allerdings auf Sparflamme köchelt auch. Die finanziellen Mittel dürften kein Problem sein, da die Gemeinde gerade €290.000,– zur Kompensation des Ausfalls durch Ritter Rüdiger bewilligt hat. Abgesehen davon, wenn die Politik will, geht immer was.

Es braucht ein nachhaltiges Kulturprogramm auf Ehrenberg. Da bereits alles in Richtung Familienunterhaltung ausgerichtet ist, ist es nur mehr als sinnvoll, diese Schiene weiter auszubauen. Dass das funktionieren kann, haben wir in den Jahren 2007 bis 2009 gesehen, aber die Region wird etwas dafür tun müssen. Kultur kostet Geld, nicht nur in Reutte sondern überall. Wenn man den Ehrenbergsommer mit anderen Sommerfestivals vergleicht, von Erl über Kufstein und Schwaz bis nach Telfs, sieht man, dass anspruchsvolle Kulturarbeit eben Geld kostet. Und das alles andere als wenig: Die öffentliche Hand steuert in allen Fällen (Tiroler Festspiele, Operettensommer, Klangspuren, Volksschauspiele) jeweils weit mehr als €300.000,– zu. Wer diesen Vergleich für größenwahnsinnig hält, dem sei erstens gesagt, das Sommerprogramm, das wir hatten, brauchte diesen Vergleich nicht zu scheuen und zweitens, nur wer sich an Größerem orientiert, kann etwas aus sich machen.

Theater im Salzstadl

Shakespeare im Salzstadl 2009:

Nach den Debakeln um die Sommerprogramme in den Jahren 2009 und 2010 wird niemand mehr kommen und auf der Klause ein größeres Projekt machen wollen. Es sei denn, es meldet sich der reiche Onkel aus Amerika, aber darauf sollten wir nicht hoffen. Das Problem ist, das Vertrauen der Kulturschaffenden ist dahin, jeder der da irgendwas mitbekommen hat wird sagen: “Finger weg von der Klause. Die Verantwortlichen versprechen dir das Blaue vom Himmel, aber wenn es hart auf hart geht, wollen sie nichts damit zu tun haben.” Dabei geht es nicht darum, ob das auch so stimmt, das spielt keine Rolle, Kultur braucht Vertrauen in eine nachhaltige Unterstützung durch die öffentlich Hand. Das gilt für alle Kulturinitiativen, die es sonst noch im Talkessel gibt, diese sollen hier aber nicht weiter Thema sein, d

a es sich dabei um ein Kulturangebot handelt, das sich hauptsächlich an die einheimische Bevölkerung richtet ohne touristischen Hintergrund, bzw. dieser nicht im Vordergrund steht.

Es wird Zeit für einen neuen Weg, d.h. es wird Zeit für einen Weg, denn auf der Stelle treten, stellt für mich keinen Weg dar, sondern sinnloses Verwalten des Status quo. Leider ist es nun mal so, dass die Millionen, die investiert wurden nur einen Sinn bekommen, wenn man noch mehr und vor allem nachhaltig investiert. Nicht nur in Gebäude, ich weiß schon, in die Anlage zu investieren stellt einen Wert dar, den man angreifen und bewundern kann. Die Medien können darüber schreiben und auch schöne Fotos bringen, aber wie ein Gebäude endet, um das man sich nicht kümmert, kann man im Eingangsbereich zur Schenke sehen. Vielleicht wäre es eine gute Idee die Infrastruktur vollkommen von all den anderen Belangen, die ein solcher Betrieb mit sich bringt, zu trennen und zwar in finanzieller wie auch in organisatorischer Hinsicht. Für beides gibt es Spezialisten und die wird es auch brauchen.

Der Tourismusverband wäre dabei, wie Obmann Hermann Ruepp bei der Vollversammlung am letzten Donnerstag vor versammeltem Publikum versprochen hat: “Wenn sich was tut sind wir sicherlich dabei.” Das heißt mit anderen Worten zwar auch, dass sie keine Ideen haben und wahrscheinlich auch kein Konzept, aber immerhin sind sie dabei. Bürgermeister Luis Oberer hat bei der Gemeinderatssitzung eine Woche zuvor ähnliche Worte verwendet: “Wir sind dran, wir müssen uns noch genau überlegen wie – auch im Sinne eines künftigen Regionalmarketings – aber es wird – es muss – etwas geschehen.” Da gebe ich ihm Recht, und hoffe, er hat Erfolg damit, zumal ich immer mehr den Eindruck gewinne, die Freude über den Wahlsieg ist inzwischen einer realpolitischen Ernüchterung gewichen. Was aber auch kein Wunder wäre, bei dem Erbe, das er antreten durfte.  Diesem Erbe, zumindest einem Teil davon, könnte er jetzt einen Sinn geben.

Und weil ich die Sache mit den visionslosen Politikern und Touristiker vielleicht doch nicht ganz so hoffnungslos sehe, wünsche ich mir jetzt doch was vom Christkind und zwar: Ein Prozent des Budgets der Gemeinde Reutte und ein weiteres Prozent vom Tourismusverband für nächstes Jahr (und auch für die nächsten Jahre) für einen Kulturbetrieb auf der Klause. Vielleicht kommen durch regionale Anstrengungen noch ein paar Prozent dazu…

Burgschauspiele Ehrenberg

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