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Die Demokratie ist tot – lang lebe die Demokratie

Gerade lese ich die Griechische Regierung will an den Plänen zur Volksbefragung festhalten. Mal angenommen die Griechen bekommen wirklich was zum Abstimmen, dann wird da ja eine Wahl zwischen Pest und Cholera, das wissen auch die Griechen. Mit Sicherheit wissen sie auch, dass sie sich die Scheiße selbst eingebrockt haben, schließlich gibts die Freunderlwirtschaft und Korruption in Griechenland nicht erst seit gestern, sondern schon einige Jahrzehnte, was meiner Meinung nach schon auch auf eine gewisse Grundhaltung in der Bevölkerung rückschließen lässt. Also mal angenommen, die Griechen dürfen abstimmen, dann wird das eine Abstimmung zwischen einer einsamen Pleite die weh tut oder massiven Sparmaßnahmen die auch weh tun, aber immerhin noch im Schoße des Euro. Was wirtschaftlich sicherlich mehr Vorteile mit sich bringt, wie eine Pleite mit eigener Währung und trotzdem einem Schuldenberg in Euro. Das Kommentar von Sven Böll im Spiegelonline triffts wohl ziemlich genau.

Wie auch immer, und worüber die Griechen dann letztlich auch abstimmen werden, was mich heut am Meisten erstaunt hat, war die Empörung, dass da doch tatsächlich einer sein Volk befragen will – was bildet sich dieser Mann eigentlich ein, das Volk will er befragen. Manchmal frage ich mich schon ob den Herrn und Damen Politiker eigentlich noch bewusst ist, dass das was sie tun, nicht einem reinen Selbstzweck unterliegt sondern, dass sie über Menschenleben bestimmen. Unsere Politiker jonglieren nur noch mit Zahlen, ohne ein Verständnis dafür was das für den einzelnen bedeutet. Wenn ich monatlich mit einem Politikergehalt nach Hause gehen würde, würde ich mir auch keine Gedanken über grundlegende existenzielle Fragen machen. Mir ist schon klar, dass genau aus diesem Grund und um sachlich entscheiden zu können, Politiker das verdienen was sie verdienen, aber der Blick für die Realität geht dabei etwas verloren, vor allem wenn man mit Zahlen in der Höhe des Eurorettungsschirms bzw. Staatsschulden einiger Länder zu tun hat. Der heutige Tag hat aber vor allem eines gezeigt, die Demokratie ist tot, wir dürfen zwar noch wählen, aber die Spielräume die Regierungen haben, haben nichts mehr mit freier Entscheidung zu tun. Nicht nur, dass Deutschland und Frankreich hinter verschlossenen Türen alles entscheiden und die anderen das dann abnicken dürfen, die Welt scheint auch noch unter zu gehen wenn einer nur einen Volksentscheid ankündigt und die Medien spielen da natürlich brav mit und schüren die Panik.

Ich glaub wir sind am Ende, was wir zur Zeit sehen sind die letzten Zuckungen eines Todgeweihten, der glaub nochmal die Welt zerreißen zu müssen. Das klingt jetzt vielleicht negativ, ich seh das aber gar nicht so, schließlich bedeutet Tot auch immer neues Leben. Ich weiß das klingt nach der rosaroten Esoterikbrille, aber es hilft. Und wenn der Karren dann vollends an die Wand gefahren ist und auch noch die Wand darauf gestürzt ist, dann wirds wohl anders werden.

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